Unser Schulgebäude von oben / ©Pykado
„Erziehung durch Zwang, Gewalt, Demütigung und Willkür“- Auseinandersetzung mit der repressiven Jugendhilfe in der DDR
Am 16.06.2026 besuchten die Klassen der Erzieherausbildung ERZ24-1 und ERZ25-2 gemeinsam die Gedenkstätte des ehemaligen geschlossenen Jugendwerkhofes in Torgau.
Der geschlossene Jugendwerkhof war von 1964 bis zum Mauerfall im Herbst 1989 eine Einrichtung der Jugendhilfe in der DDR, in der insgesamt 4046 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren ohne einen richterlichen Beschluss und gegen den Willen der Jugendlichen auf Antrag von einzelnen Mitarbeitern der staatlichen Jugendhilfe untergebracht waren.
Das Erziehungskonzept im „Geschlossenen Jugendwerkhof“ folgte den allgemeinen Grundlagen sozialistischer Erziehung. Die besondere Aufgabe bestand darin, bei den Jugendlichen die Bereitschaft zur Umerziehung herzustellen. Das sollte durch eine Art „Schocktherapie“ erzeugt werden. Gemäß dem Erziehungsmotto „Wer nicht hören will, muss fühlen!“ sollte diese Einsicht erzwungen werden. Eiserne Disziplin, ein ausgeklügeltes Kontrollsystem und strenge Bestrafung (wie Einzelhaft in Dunkelzellen im Keller) nach jeder noch so kleinen Verfehlung, sollten zum Erziehungsziel führen. Den Jugendlichen blieb dadurch keinerlei Freiraum und Privatsphäre.
Die Auszubildenden der Erzieherausbildung erlebten in der Gedenkstätte eine thematische Einführung, den Besuch der Ausstellung und der Dunkelzellen sowie ein anschließendes 90 -minütiges Zeitzeugengespräch.
Das erzeugte bei den Teilnehmern der Bildungsfahrt tiefe Emotionen und die Erkenntnis, dass diese staatlich verordnete Umerziehung in der DDR menschenverachtend und stets extrem traumatisierend für die Betroffenen war. Dadurch wurden die zukünftigen Erzieherinnen und Erzieher in ihrer pädagogischen Haltung gestärkt, dass jeglicher Zwang, Gewalt und Demütigung in der Pädagogik keinen Platz haben.
